Routen-Beschreibung

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Dauer 4h30 | Bergauf 530 m / Bergab 530 m | Länge 13.5 km | Wallis | Saison 04-10 | Schwierigkeit T1 |

Adonisröschen zwischen Martigny und Saxon

Kurzbeschreibung: (Quelle:"Vogel Gesundheitsnachrichten März 2010")

Frühling in Goldgelb

Mit ihren grossen, leuchtendgelben Blüten strahlen sie wie kleine Sonnen aus dem verdorrten Gras und laden zu einer leichten Frühlingswanderung ein: Frühlings-Adonisröschen zwischen Charrat und Saxon im Wallis.

Spurensuche in Martigny
Beim Bahnhof Martigny fehlen Wegweiser, deshalb machen wir uns Richtung Zentrum auf die Suche danach. Die französischsprachigen Einwohner, viele Bäckereien, Restaurants und sogar die jetzt noch kahlen Platanen sorgen schon im März für eine südländische Atmosphäre.

 Wir durchqueren den alten Stadtteil und stossen beim Friedhof endlich auf Wegweiser. Nach wenigen Schritten stehen wir am Waldrand. Der eigentliche Wanderweg würde jetzt auf einem Strässchen weiterführen, doch wir folgen dem kleinen Pfad entlang der Bisse, einem kleinen Wasserkanal.
Vorläufig wird das Plätschern des Wassers noch vom Stadtverkehr übertönt. Nach der Autobahnschlaufe und Punkt 478 wird es etwas ruhiger.

Am Boden liegen stachlige Kugeln und lange, gezähnte Blätter. Viele der mächtigen Bäume entlang des Wegs mit zerfurchter Rinde sind Kastanienbäume. Diese Baumart wurde einst von den Römern in die Schweiz gebracht. Am linken Wegrand wächst das Bisamkraut mit gelbgrünen, kugeligen Blüten. Seine Blätter ähneln denen des Buschwindröschens und riechen zerquetscht nach Moschus.

Der Frühling zeigt erste Blüten
Zwischen den noch kahlen Buchen und Eschen fallen die blühenden Wildkirschenbäume auf. Diese Baumart ist verbreiteter als man denkt, fällt aber meist nur im Frühling dank ihrer Blüten auf. In den Pflanzungen und Gärten ausserhalb des Waldes blühen Aprikosenbäume, und immer wieder kommen wir an der rot leuchtenden Gefleckten Taubnessel vorbei. Nach einem Steg über die Bisse wechseln wir wieder auf den regulären Wanderweg. Das Frühlings-Hungerblümchen wächst fast flächendeckend auf dem kargen, steinigen Untergrund und zeigt, wie es zu seinem Namen kommt.

Klimatische Unterschiede am Rhoneknie
Der Wald lichtet sich bei «Chez les Farquet» und gibt den Blick frei auf die Handels- und Industriestadt Martigny und auf die schneebedeckten Gipfel, die das Rhonetal vom Genferseegebiet bis hinauf in die Region von Sion bekränzen.
Auf der gegenüberliegenden Talseite fliesst die Rhone unterhalb von Les Follateres eng um eine Kurve. Bei diesem sogenannten Rhoneknie wechseln die klimatischen Verhältnisse im Wallis. Flussabwärts, Richtung Genfer See, ist das Klima im Wallis eher ozeanisch mit reichlich Niederschlägen, flussaufwärts aber kontinental und von trockenen, heissen Sommern geprägt.
Unter den Bäumen mit ihren schwellenden Knospen stossen die fleischigen, dunkelgrünen Buchenschösslinge durch das rostbraune Buchenlaub. Efeublättriger Ehrenpreis wuchert am Wegrand. Bei den Rebbergen treffen wir auf die ersten Flaumeichen. Die jungen Blätter dieser Eichenart sind auf der Blattunterseite zart behaart. Weiter vorne blühen zwischen den Reben das Zwerg-Stiefmütterchen, eine Unterart des ebenfalls vorkommenden Feld-Stiefmütterchens, sowie Reiherschnabel. Eidechsen rascheln unsichtbar durchs Laub. Wir sehen Stängelumfassende Taubnesseln und den weissblühenden Acker-Steinsamen am Wegrand.

Chemin des Adonis
Bald schon erblicken wir den auffälligen Hügel von Charrat, der von einem kontinentalen Halbtrockenrasen bewachsen ist. Wenig später stossen wir auf den «Chemin des Adonis», den Adonis-Wanderweg, der von Charrat nach Saxon führt.
Wir folgen nun auf einem kleinen Pfad dieser Strecke und steigen zum Hügel auf. Rechts wächst der relativ seltene, wärmeliebende Schriftfarn zwischen den Steinen. Weiter oben tauchen vor der Hütte des alten Schiessstands die ersten Büschel der goldgelb blühenden Frühlings-Adonisröschen auf, und dann sehen wir immer mehr. In der ganzen Umgebung strahlen sie wie kleine Sonnen. Ihr leuchtendes Gelb bildet einen wunderschönen Kontrast zum Braun des Grases, den dunklen Talhängen und dem frühlingshaften, noch etwas bleichen Himmel.

Goldene Tränen einer Göttin
Schon die Sumerer, Hethiter, Germanen, Slawen und die nordamerikanischen Indianer liebten die goldene Blume und sahen in ihr das Symbol des kommenden Frühlings. Seinen heutigen Namen bekam das Adonisröschen nach einer griechischen Legende: Beim tödlichen Jagdunfall des schönen Adonis vergoss die Liebesgöttin Aphrodite für jeden Blutstropfen eine Träne, die zur goldenen Blume wurde.
Die Pflanze stammt ursprünglich aus den russischen und innerasiatischen Steppen. An den für Schweizer Verhältnisse sehr trockenen und exponierten Flächen dieses Tales, die sich im Sommer stark aufheizen und im Winter auch wieder stark abkühlen, kann sich eine solche Steppenvegetation halten. Ein Teil der früher vorhandenen Adoniswiesen im Wallis ist heute aber verschwunden.

Anspruchsvolle Schönheit
Als einzige Region der Schweiz erfüllt das mittlere Rhonetal heute noch die Ansprüche des Frühlings-Adonisröschens: magere Trockenrasen auf Kalkböden, heisse Sommer, kalte Winter und ganzjährig wenig Niederschläge.
Federgras und Pfriemengras sind weitere Steppenarten, die hier zusammen mit dem Adonisröschen vorkommen. Ab Mai kann man die langen, typisch federartigen Grannen des Federgrases sehen. Auch der blaugrüne Walliser Schwingel braucht noch mehr Zeit bis zur Blüte. Jetzt schon blühen die attraktiven violetten Berg-Anemonen und Seguiers Wolfsmilch. Am Boden dazwischen krabbeln rote, schwarzgemusterte Feuerwanzen.
Kontinentale Halbtrockenrasen wie hier in Charrat werden traditionsgemäss von ziehenden Schafherden beweidet. Das giftige Adonisröschen, das von den Schafen verschmäht wird, profitiert von dieser Beweidung, weil dadurch die Konkurrenz der Gräser kleiner und die Verbuschung gebremst wird. Viele der in diesem Pflanzenverband vorkommenden Arten sind selten und gefährdet.
Beim Weiterwandern über den Hügelrücken kommen wir immer wieder an goldgelben Büscheln vorbei. Frühlings-Adonisröschen begleiten uns auch auf dem weiteren Wegabschnitt durch lichten Wald mit vielen Flaum-Eichen. Am Wegrand blühen Fels-Veilchen und blauviolette Leberblümchen. In Felsritzen wachsen der Schwarzstielige Streifenfarn und der Tüpfelfarn.

Schauen und Staunen
Auf dieser Wanderung ist man selten alleine unterwegs. Immer wieder begegnet man anderen Wanderern, die Büschel von Adonisröschen bestaunen und fotografieren. Auf einem kurzen Abschnitt auf Asphalt erreichen wir den Bahnhof in Saxon. Dieser Ort war im 19. Jahrhundert bekannt für seine Heilquelle und die Spielcasinos. Heute sorgen vor allem seine Aprikosen und Trauben für Einnahmen - und hier findet die Frühlingswanderung zu den kleinen Sonnen ihr fröhliches Ende.

Routenplan & Höhenprofil

Fotogalerie

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Inhaltsverzeichnis

Neu: alle detaillierten Tourenkarten in diesem handlichen Führer sind mit einem QR-Code ausgestattet, über den Sie die Karten unterwegs auf Ihrem Handy bis zum Masstab 1:10’000^anschauen oder zu Hause ausdrucken können. (In Zusammenarbeit mit SchweizMobil)

Mit dem Vorwort von Thomas Widmer

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